Zum Inhalt springen
vimaki
19. August 2026 · Wien
Cover: Der lange Jänner

Der lange Jänner

Roman

Johanna Reseda

Ein Jänner zieht sich über Wochen, und in einem Haus am Rand der Stadt wird das Warten zur einzigen verlässlichen Beschäftigung. Reseda erzählt davon so ruhig, dass man die Kälte mitliest.

Incipit

Der Jänner war an einem Dienstag gekommen und hatte sich, wie alles in diesem Haus, sofort häuslich eingerichtet.

Klappentext

Es beginnt mit einem Schneefall, der am dritten Tag aufhört, sich zu entschuldigen. Frau Tobler, Mitte fünfzig, früher Korrektorin, führt seit dem Tod ihres Mannes ein genaues Haus: Sie heizt nach Plan, sie kocht nach Plan, sie wartet — auf den Briefträger, auf das Tauwetter, auf einen Anruf, der angekündigt wurde und ausbleibt.

In knappen, beinahe spröden Bildern erzählt Johanna Reseda von einem einzigen, überlangen Jänner, in dem nichts geschieht und doch alles zu Ende geht. Ihre Sätze haben die Temperatur ihres Schauplatzes: kühl, klar, von einer Höflichkeit, die das Schlimmste nur streift.

Ein Buch über die Würde des Wartens — und über die leise Erleichterung, wenn das Erwartete endlich nicht eintrifft.

Leseprobe

Morgens prüfte sie zuerst das Thermometer am Küchenfenster, dann den Briefkasten, dann ihr Gesicht im Spiegel, und in dieser Reihenfolge lag eine Logik, die ihr niemand hätte erklären müssen. Das Thermometer sagte die Wahrheit, der Briefkasten meistens nichts, der Spiegel das Übliche. Sie hatte gelernt, den Tag in Abschnitte zu teilen, die einander nicht berührten. Bis zehn gehörte der Küche. Der Vormittag den Zeitungen, die sie las, als korrigierte sie sie noch immer: ein Komma hier, ein überflüssiges Wort dort, ein Satz, der einen Gedanken versprach und ihn dann doch nicht hielt. Am Nachmittag, wenn das Licht schon wieder ging, setzte sie sich in den Fauteuil ans Fenster und sah dem Schnee zu, wie er fiel, ohne es eilig zu haben. Einmal, an einem dieser Nachmittage, ertappte sie sich bei dem Gedanken, dass sie nicht mehr genau wusste, worauf sie eigentlich wartete. Es beunruhigte sie weniger, als sie erwartet hätte. Man kann auch das Warten behalten und den Anlass vergessen; es funktioniert beinahe ebenso gut.

Pressestimmen

„Reseda schreibt über das Nichts mit einer Genauigkeit, die das Nichts beinahe rehabilitiert. Man liest langsamer, als man müsste, und ist froh darum.“
— Wiener Quartal
„Ein schmaler Roman, der seinem Gegenstand keine Sekunde davonläuft. Wer Tempo sucht, ist hier falsch; wer bleibt, wird belohnt — sehr leise.“
— Feuilleton am Sonntag
„Die Tobler ist eine der überzeugendsten Figuren des Jahres, gerade weil sie nichts tut. Reseda traut der Stille — und der Leserin.“
— Blätter für neue Prosa

Leserstimmen

„Ich habe es im Februar gelesen, was vermutlich ein Fehler war, und seither prüfe ich morgens zuerst das Thermometer. Mir geht es gut, danke der Nachfrage.“
— M. K. aus Graz
„Mein Mann ist auch im Winter gegangen. Das Buch hat nichts beschönigt, und genau das habe ich ihm gedankt. Dem Buch, meine ich.“
— eine Leserin, 71

Kolophon

Verlag
Edition Tagundnacht
Erscheinung
2. Auflage, 2023
Umfang
104 Seiten
Ausstattung
Gebunden
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-99095-014-7*

* Die ISBN dieses Titels ist bewusst ungültig – er existiert ausschließlich in dieser Bibliothek.

Preise

  • Gebunden · 22,00 €
  • Vorzugsausgabe (Leinen, num. 1–100) · 48,00 €

Auszeichnungen

  • Preis der stillen Leser 2023

Mitwirkende

  • Lektorat Ortrud Felber
  • Umschlag Cornelius Halm
  • Satz Mittermayr & Tochter, Wien

Schlagworte

  • Roman
  • Winter
  • Stille
  • Erinnerung
  • Österreichische Literatur

← Zum Buch-Archiv